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EuropaTour Teil 25: Andalusien

(Kommentare: 1)

Die wichtigste Frage zuerst:
Ja, ich habe einen Surfkurs gemacht.
Nein, das hat nichts mit Jugendwahn und Midlife Crisis zu tun. Ich habe keine Midlife Crisis. Das würden euch auch alle meine Skaterkumpels aus der Halfpipe bestätigen. Yolo!

Jetzt aber zu Andalusien: Der Camper kennt ja drei schlimme H’s: Hitze, Hochsaison und HurensohnVonAutoknacker. Mittlerweile haben wir alle drei H’s erlebt, das erste, die Hitze, aber noch nie so wie in Andalusien. Sevilla zum Beispiel ist eine wunderschöne Stadt - zwischen zehn Uhr abends und zehn Uhr morgens. Den Rest des Tages ist es ein hitzeflimmernder Pizzaofen wo jede Hauswand, jedes Denkmal, jeder Pflasterstein dich anzuschreien scheint: „Was zur Hölle machst du hier?“ Bei unserer Ankunft hatte es zum Beispiel schlanke 41 Grad. Abends um halb acht. Du weißt, du bist in Andalusien, wenn du nachts um zwölf bei 29 Grad zum ersten Mal denkst: „Huch, jetzt wird’s aber frisch!“

Trotzdem sollte man sich Sevilla nicht entgehen lassen. Die Stadt sieht streckenweise so übertrieben spanisch aus, als würde man in einem Freizeitpark durch die Themenwelt „Andalusien“ laufen: gelbrote Hauswände, verschnörkelte Fassaden, bunte Kacheln, Flamencosänger - man will eigentlich ständig jemanden fragen: „Muy bonito, pero dónde está la Achterbahn?“ Außerdem kann man hier die besten Tapas Spaniens essen (die besten Tapas weltweit gibt’s immer noch bei Angela in Köln, der ich nicht umsonst mein letztes Buch gewidmet habe). Als deutscher Tourist macht man das natürlich um halb neun und kommt sich dabei schon wahnsinnig südländisch vor - bis sich der Laden dann gegen halb elf so allmählich mit Spaniern füllt.

Insgesamt war unser Andalusien-Abstecher ein bisschen wie ein Apnoe-Tauchgang: Man fährt an die Küste und holt tief Luft, taucht ab ins Hinterland, schaut sich irgendwas an (Cadiz! Ronda! Danke für all eure Tipps!) und fährt dann zum Luft schnappen wieder ans Meer. Warum übrigens ausgerechnet hier, in einem der trockensten Landstriche, die ich jemals gesehen habe, ein Großteil unseres Supermarktgemüses angebaut wird, muss wohl das sahnige Geheimnis der modernen Landwirtschaft bleiben.

So schön das alles ist, ich merke, dass ich allmählich ein bisschen überfüttert bin von Sachen, die man „unbedingt gesehen haben muss“. Meine Erfahrung ist: unsere schönsten Erlebnisse hatten wir immer da, wo wir zufällig reingestolpert sind. Das beste Essen gab’s immer in den kleinsten Kabausen abseits vom Schuss. Und die schönsten Campingplätze lagen immer genau einen Ort neben den Touristenzentren. Deswegen hat es mich auch nicht gewundert, dass mein Andalusien-Highlight kam, als wir uns auf dem Weg von Ronda an die Küste verfahren hatten. Plötzlich tuckerten wir die absolut spektakuläre Bergstraße durch die Sierra de las Nieves entlang: Wälder, Schluchten, enge Straßen, man fährt durch die Wolken und kurz bevor es spooky wird, erkennt man am Horizont das Meer. Man sollte sich einfach insgesamt viel öfter verfahren…

P.S.: Nächster Halt: Valencia. Eigentlich nur, weil ich gelesen habe, dass von dort die Paella kommt. Kennt jemand ein gutes Restaurant? Hundefreundlich (also mit Außenterrasse) und Deutschenfreundlich (also warme Küche vor 22 Uhr)?

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Kommentar von Anika |

Ich war zwar selber noch nie in Valencia, aber eine Freundin, die dort ihr Auslandssemester gemacht hat, sagte, man solle sich, vor allem auf Restaurantterrassen sehr in Acht nehmen vor Taschendieben. Also nie irgendwo eine Tasche einfach über den Stuhl hängen, unter den Stuhl stellen, etc.!
Ansonsten würde ich ja auch Granada noch sehr empfehlen, aber da müsstet ihr ja wieder nach Andalusien zurück.